Geht nich auch irgendwie 2.85er Filament?

Hier geht es ausschliesslich um die Extruder und Kühlung des Filamnts des RF2000. Fragen und Probleme sowie Verbesserungen können hier diskutiert werden
mhier
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Re: Geht nich auch irgendwie 2.85er Filament?

Beitrag #21 von mhier » Sa 3. Apr 2021, 18:17

zero K hat geschrieben:Wenn der Kompressor warme Luft aus dem Bauraum zieht wäre er nach spätesten zwei Tagen durch Überhitzung zerstört, es war ein Versuch.

Das würde nix bringen, denn der Kompressor kühlt de facto die Luft: Beim Komprimieren erwärmt sich die Luft, im Tank kühlt sie sich aber auf Raumtemperatur ab. Beim Entspannen der Luft auf den Normaldruck kühlt sie sich dann unter Raumtemperatur ab.

Ich finde es inzwischen vorteilhaft, selbst bei ABS mit relativ viel Kühlung zu drucken - wichtig ist wie gesagt nur, dass die Kühlung von allen Seiten kommt. Wenn man das geschickt anstellt, kann die Kühlung dann sogar Wrapping verhindern: wenn der oberste Layer schnell auf Bauraumtemperatur gekühlt wird, kühlt er sich danach nicht weiter ab und übt somit keine Kraft mehr auf das Bauteil aus. Genau dafür braucht es aber eben Bauraum-Luft, denn externe Luft würde die unteren Layer weiter abkühlen, denn du kannst ja niemals nur den obersten Layer alleine kühlen. Ich habe schon ganz klar den Effekt gesehen, dass sich ein ABS-Teil ohne Lüfter wegen Wrapping vom Bett gelöst hat. Habe ich als einzigen Parameter den Lüfter aktiviert, blieb das Teil ohne Wrapping auf dem Bett und hat exakt seine Form gehalten.

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Re: Geht nich auch irgendwie 2.85er Filament?

Beitrag #22 von AtlonXP » Sa 3. Apr 2021, 19:47

Hallo zusammen,
da hier immer wieder mein Name fällt, sollte ich mich hier zu Wort melden.

Digibike hat geschrieben:. Da gilt das gleiche Motto, dass ich auch beim Support habe: Immer läßt es sich nicht vermeiden, aber der beste ist der, den man nicht braucht... ;-)


Werde ich hier nicht zitiert? :-)

Es war hier im Gespräch dass man zum V3 auf die Düse nicht achten muss, wenn man einen anderen Filament Durchmesser verwendet.
Diese Aussage ist meiner Einschätzung nach falsch.
Das V3 ist ein Zwitter zwischen dem V2 und dem E3D Vulcano.
Bei den E3D Hot End’s ist das Düsengewinde, also dass was noch zur Düse gehört,
die eigentliche Schmelzkammer.
Eben diese Schmelzkammer sollte annähernd den gleichen Durchmesser haben wie der Schmelzdraht.
Es gibt nicht umsonst bei den E3D’s Düsen mit 3,0 mm und 2,0 mm Bohrung.

Auch möchte ich den Vergleich V2 inklusive meines MOD, zum E3D V6 berichten.

Das V2 hat zwar gut gedruckt, aber es kommt bei weitem nicht an das E3D V6 heran.
Der Hauptgrund ist, dass das E3D V6 einfach mehr Dampf auf der Düse hat.
Ich merke das sehr deutlich wenn ich ABS verdrucke.
Das ABS hat ein besseres Layerbonding und die Viskosität ist niedriger,
somit kann ich ABS auch volle Pulle drucken.
Das ging mit dem V2 nicht so…

Also wenn man Geld für Hot End in die Hand nimmt, dann besorgt euch das E3D V6.
Dieses lässt sich auch nach belieben Konfigurieren.
Alles andere ist Wasser in den Bach getragen.

Früher mit dem V2 war ABS und ein Bauteilkühler ein Unding!
Sofort hat es Probleme gegeben mit dem Layerbonding.
Ich möchte hinzufügen, dass es nicht unbedingt sichtbar wird,
aber bei einer Zerstörungsprobe fehlte oft der Typische Weißbruch von ABS.
Trotz allem sollte die Bauteilkühlung mit Bedacht eingesetzt.
Bei sehr kleinen Teilen und auch bei Überhängen setze ich es seit neustem auch bei ABS ein.
Ihr kennt meine Kühllösung.
Mir reichen meistens 3 - 10% Drehzahl der Bauteilkühlung vollkommen aus.

Ja, ich sollte mir halt mal eine Düse aus PEEK drucken, dann ist wieder ein Problem weniger. ;-)
Das PA12 hält die Temperatur gerade noch so aus.


mhier hat geschrieben:Ich finde es inzwischen vorteilhaft, selbst bei ABS mit relativ viel Kühlung zu drucken - wichtig ist wie gesagt nur, dass die Kühlung von allen Seiten kommt. Wenn man das geschickt anstellt, kann die Kühlung dann sogar Wrapping verhindern: wenn der oberste Layer schnell auf Bauraumtemperatur gekühlt wird, kühlt er sich danach nicht weiter ab und übt somit keine Kraft mehr auf das Bauteil aus. Genau dafür braucht es aber eben Bauraum-Luft, denn externe Luft würde die unteren Layer weiter abkühlen, denn du kannst ja niemals nur den obersten Layer alleine kühlen. Ich habe schon ganz klar den Effekt gesehen, dass sich ein ABS-Teil ohne Lüfter wegen Wrapping vom Bett gelöst hat. Habe ich als einzigen Parameter den Lüfter aktiviert, blieb das Teil ohne Wrapping auf dem Bett und hat exakt seine Form gehalten.


Hierzu muss vielleicht noch etwas mehr klargestellt werden.
Es gibt irgendwo einen YouTube Film.
Da Stretch einer ein Klebeband etwas in die Länge und klebt es auf den Tisch.
Das ganze wiederholt er ein paar Mal.
Auf einmal fängt das Klebeband an sich selbstständig abzulösen und aufzurollen.

Der will mit diesem Versuch zeigen, dass sich jeder Layer wenn dieser schnell abgekühlt wird Spannung aufbaut.
Diese Spannung addiert sich mit jedem weiteren Layer auf!
Irgendwann verformt sich das ABS, oder reist meisten so 12 mm über dem Druckbett ein.
So alle 10 mm etwa weiter, kommt der nächste Layerriss.
ABS hat etwa einen Schrumpfungsfaktor von 2,5 %.

Wenn nun aber die Kühlluft so warm ist, dass das ABS weich bleibt,
dann können sich die Spannungen besser verteilen über alle Layerschichten.
Aus diesem Grund benötigt man eine Bauraumheizung.

Oder auch, so bin ich mit meiner Blasdüse zufrieden. ;-)

LG AtlonXP

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Re: Geht nich auch irgendwie 2.85er Filament?

Beitrag #23 von mhier » Sa 3. Apr 2021, 22:08

AtlonXP hat geschrieben:Hierzu muss vielleicht noch etwas mehr klargestellt werden.

Ja richtig, an dem Effekt kann man im Grunde nichts ändern. Man kann es aber noch schlimmer machen: Wenn die Abkühlung ungleichmäßig passiert, kann man z.B. auf einer Seite die doppelte Kraft und auf der anderen Seite fast keine Kraft bekommen. Das macht leicht mal den Unterschied zwischen Ablösen und Klebenbleiben auf dem Bett aus. Genau das passiert, wenn man einseitig abkühlt. Dann kommt man bei ABS nicht über wenige % Lüfterstärke hinaus. Würde man im theoretischen Idealfall exakt gleichmäßig aus allen Richtungen abkühlen, so dass der gerade gedruckte Layer sich einheitlich zusammenzieht, wäre es völlig in Ordunung, mit 100% zu kühlen (oder sogar noch größere Lüfter zu verbauen).

Es gibt aber noch einen Effekt, den du hier unter den Tisch fallen lässt, und der theoretisch zumindest eine starke Kühlung wünschenswert machen würde: Der Layer wird ja nicht als Ganzes zeitgleich gedruckt, sondern Stück für Stück (ganz im Gegensatz zum aufgeklebten Tape). Wenn man jetzt erreicht, dass der gerade eben gedruckte Kunststoff *sofort* abkühlt, nachdem er sich mit dem unteren Layer verbunden hat, sieht die Sache nämlich ganz anders aus. Wenn die gedruckte Kunststoffmenge stimmt (also im abgekühlten Zustand), gibt es in dem Fall quasi gar keine Schrumpfung. Das Material zieht sich lokal zusammen, das Material daneben tut das aber genauso und zieht dann in die gegenteilige Richtung. Die Kräfte heben sich also quasi auf.

Wenn man das schafft, kann man also am Ende eben doch was dagegen machen. Am Ende hat man immer eine Mischung beider Effekte, und je nachdem, wie stark man kühlt, kann man das Verhältnis beeinflussen. Wenn du einen ABS-Würfel mit 100mm Katenlänge druckst, ist der doch hinterher nicht ein Würfel mit 97.5mm Kantenlänge, oder? Das Material wandert doch nicht am Rand um 1.25mm weg - dann würden die oberen Layer ja in die Luft gedruckt. Bzw. wenn das passiert, hast du eben massiv zu wenig Kühlung, und der untere Layer ist noch nicht vollständig abgekühlt, bevor du den nächsten druckst.

Ich habe ABS schon erfolgreich mit 100% Lüfter gedruckt, mit meiner neuen Blasdüse. Die mag nicht ganz so viel Luft durchlassen, so dass das vielleicht eher nur 50% oder so entspricht, aber früher mit der einseitigen Düse fingen die Probleme bei mir bei 8% oder so an. Bei <8% hatte ich aber immer Probleme mit der Maßhaltigkeit.

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Re: Geht nich auch irgendwie 2.85er Filament?

Beitrag #24 von AtlonXP » Sa 3. Apr 2021, 23:19

@mhier,
Ok die Vorgänger Blas Düse hatte sehr einseitig gekühlt.
Da magst du recht haben auch mit den Folgen.
Es war halt der Stand der Technik für das V2.

Heute drucke ich aber immer noch aus Stabilitätsgründen am liebsten ein Teil nach dem anderen und nicht alle auf einmal.
Das Layerbondig wird halt einfach besser (stabiler).

Wenn man den Kunststoff so schnell abkühlen würde wie von dir erwünscht,
dann sollte man wohl CO² oder Flüssig- Stickstoff zum Einsatz bringen.

Ich vertrete die Meinung, dass ABS nicht zu weit abgekühlt sein darf im vorhergehenden Layer,
weil sonst das Bonding nicht mehr so gegeben ist.

Meine jetzige Blas Düse arbeitet mit vorgewärmter Luft vom Hot End.
Auch sollte die nun gleichmäßiger um die Düse blasen können.
Ich habe jedoch noch Zweifel, dass diese wirklich gleichmäßig um die Düse kommt.
Bei dem Drucken von Kleinteilen habe ich darum immer noch ein Auge darauf,
wie das Teil abkühlt oder überhitzt.

Da ich keine Zieh Versuche machen kann, teste ich öfter mal mit einer Zerstörungsprobe.
Die Bruchstelle sollte bei ABS Schnee Weiß sein.

Es sind halt Erfahrungswerte, in 10 Jahren schreiben wir ein Buch darüber und nennen es dann Fach wissen…

LG AtlonXP


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